Bericht zur Schlussveranstaltung des Projekts "Vereinbarkeit von Lebenswelten im Kanton Aargau"

Ende September 2020 war es soweit: die Trägerschaft Frauenzentrale Aargau ehrte an der Schlussveranstaltung im Bullingerhaus in Aarau neun Aargauer KMU, die erfolgreich am Projekt „Vereinbarkeit von Lebenswelten“ teilgenommen haben. Beginnend mit einem Grusswort der Grossratspräsidentin Edith Saner, berichteten die Betriebe und die Fachstelle UND an einem Podiumsgespräch von ihren Erfahrungen aus dem Projekt. Die Worte von Grossrätin Maya Bally liessen in die Zukunft blicken und eine spontane Rede des Regierungsrates Jean-Pierre Gallati rundete die Feier ab.

Fortschrittliche Rahmenbedingungen in Sachen Vereinbarkeit von Beruf und Familie/Privatleben sind heutzutage entscheidende Wettbewerbsvorteile. Die Fachstelle UND begleitete neun Aargauer Betriebe bei der Optimierung von fortschrittlichen Vereinbarkeitslösungen. Seien dies moderne Führungskulturen und -strukturen, flexible Arbeitszeitmodelle, mobiles Arbeiten, Kinderbetreuungsangebote oder eine faire Lohnpolitik.

„Die Teilnahme am Projekt hat sich auf alle Fälle gelohnt“ führt Mats Scholz, CEO der Starcom AG aus Neuenhof aus „wir hatten bereits viel gemacht in Richtung Unterstützung bei Diplomarbeiten, Flexibilität für Kinder- und Angehörigenbetreuung, eigene Köchin für gesunde Ernährung, etc. Aber das sehr gut strukturierte Projekt hat uns nicht nur für Homeoffice und flexible Arbeitszeiten sensibilisiert, sondern für komplett zeit- und ortsunabhängiges und gleichzeitig hochperformantes Arbeiten. Dies kam uns nun in der ganzen Corona-Phase sehr zugute“.

Gerade für Arbeitgeberinnen aus Branchen, die unter dem Fachkräftemangel leiden, sind zeitgemässe Anstellungsbedingungen ein Muss, wenn sie qualifiziertes Personal finden und binden wollen. „Im Gesundheitsbereich sind wir enorm gefordert. Neben Neuerungen haben wir auf die Kommunikation von Bestehendem gesetzt und unsere Stellenausschreibungen modernisiert. Dies hat erfreulicherweise zu einem deutlichen Anstieg an Bewerbungsdossiers geführt. Wir mussten zeitweise sogar das Inserat vom Netz nehmen“ berichtet Jessica Meier, Leiterin Administration bei der Spitex Heitersberg in Fislisbach, rückblickend. Im Rahmen des KMU Checks der Fachstelle UND wurde ein Gespräch mit der Geschäftsführung und ein Gruppengespräch mit einer repräsentativen Auswahl an Mitarbeitenden geführt. Auf Basis dieser Ergebnisse und der Erfahrung der Fachstelle UND wurden in der Folge konkrete Empfehlungen präsentiert. „Der Check half uns, unsere Strukturen und Abläufe zu durchleuchten und zu hinterfragen – auch im Hinblick darauf, was sich gesellschaftlich verändert“ berichtet Marlène Campiche, Geschäftsführerin der Frauenzentrale Aargau, die ihrerseits als Arbeitgeberin am Projekt teilnahm.

Neben der Erarbeitung konkreter Massnahmen zur Verbesserung der betrieblichen Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben war die Vernetzung der neun KMU ein wichtiges Ziel. Dies geschah sowohl an der Kick-off-Veranstaltung im Frühjahr als auch am runden Tisch im Herbst letzten Jahres im Bullingerhaus in Aarau. „Der Erfahrungsaustausch mit den weiteren KMU war für uns besonders spannend, dies auch branchenübergreifend. Interessanterweise gibt es personalpolitische Themen, die einen Holzbaubetrieb genauso betreffen wie ein Alterszentrum, auch die Lösungen können ähnlich sein“ berichtet Willy Keller, Zentrumsleiter des Alterszentrum im Grüt in Mellingen. Damit waren eine gezielt breite Branchenvielfalt und die Vertretung verschiedener Aargauer Regionen ein Gewinn fürs Projekt. Um die Ergebnisse an den Mann bzw. die Frau zu bringen, ist Öffentlichkeitsarbeit zentral. Verschiedene Zeitungsartikel befassten sich mit dem Projekt und liessen die Betriebe zu Wort kommen. Martin Hochuli, Inhaber in der dritten Generation der gleichnamigen Hochuli Holzbau AG wurde etwa in zwei Radiosendungen zum Thema Vaterschaftsurlaub interviewt und zwar sowohl in der Deutschschweiz als auch in der italienisch sprachigen Schweiz, wofür der Betrieb nach Ausstrahlung vielerseits gelobt wurde. Auch Jürg Müller, Vorsitzender der Geschäftsleitung der KSL Ingenieure AG aus Frick berichtet von ähnlichen Erfahrungen „das Echo war sowohl intern als auch auf Seiten der Kundschaft positiv. Dank eines Artikels in der Aargauer Zeitung zum Thema Vereinbarkeit erhielten wir zudem konkrete Jobanfragen“. Somit konnten die neun KMU ihr Personalmarketing ankurbeln und nachhaltig vom Projekt profitieren. „Die Teilnahme am Projekt erweitert das eigene Netzwerk und sorgt für PR, was sowohl intern als auch extern durchaus wahrgenommen wird“ blickt Herr Martin Spielmann, Geschäftsleiter der Stiftung Lebenshilfe in Reinach zurück. Gleichzeitig gab die Teilnahme am Projekt den Betrieben auch die Gelegenheit auf Bestehendes zu blicken und eine positive Bilanz zu ziehen: "Die Teilnahme am Projekt hat uns dazu animiert, verschiedene Themen im Zusammenhang mit einer vereinbarkeitsfreundlichen Personalpolitik aufzunehmen und gewisse Massnahmen zur Optimierung zu treffen. Als besonders positiv nehmen wir die gewonnene Sicherheit mit, dass wir bereits nah am Punkt sind, wo wir auch zukünftig als attraktive Arbeitgeberin sein möchten" wie es Frau Fausch, Personal- und Organisationsentwicklerin des Regionalen Pflegezentrums Baden, treffend formuliert.

In die Zukunft blickend wünschen sich gar einzelne beteiligte KMU eine weitere Zusammenarbeit bzw. Vernetzung, um stets am Ball zu bleiben und sich weiter austauschen zu können. „Regelmässige Treffen über das Projekt hinaus würde die Verbindlichkeit, sich als Betrieb für eine erfolgreiche Vereinbarkeit einzusetzen, stärken“ betont Fabian Egger, CEO der Dornbusch Medien AG aus Dättwil.