AGZ-Abschlussveranstaltung und Präsentation des neuen Leitfadens
Mit der Abschlussveranstaltung am 22. Oktober 2026 fand das Vereinbarkeitsprojekt «Attraktive Arztpraxen dank Vereinbarkeit» der Ärztegesellschaft des Kantons Zürich (AGZ) seinen offiziellen Abschluss. Die Frage der Vereinbarkeit im Gesundheitswesen wurde von verschiedenen Seiten beleuchtet und diskutiert. Zudem wurde der während des Projekts erarbeitete Leitfaden vorgestellt.
Gemeinsam mit rund 60 Gästen und Gästinnen sowie den beteiligten Praxen blickte die Fachstelle UND auf einen Entwicklungsprozess zurück, in dessen Verlauf Vereinbarkeit nicht nur diskutiert, sondern auch der Frage nachgegangen wurde, wie sie sich konkret im Praxisalltag umsetzen lässt. Die Abschlussveranstaltung markierte dabei nicht nur das Ende des Projekts, sondern zugleich einen wichtigen Schritt in die Zukunft: Die gewonnenen Erkenntnisse wurden gebündelt und in einem praxisnahen Leitfaden aufbereitet, der nun auch weiteren Arztpraxen und Instituten zur Verfügung steht.
Eindrücke und Erkenntnisse aus der Abschlussveranstaltung
Mit der Lancierung des während des Projekts erarbeiteten Leitfadens bildete die Schlussveranstaltung vom 22. Oktober 2026 in der Zunft zur Zimmerleuten in Zürich den krönenden Abschluss des Projekts «Attraktive Arztpraxen dank Vereinbarkeit». Das Thema Vereinbarkeit im Arztberuf wurde aus politisch-gesellschaftlicher Perspektive von Nora Wille, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Präsidentin der FMH, beleuchtet.
Zudem berichteten am Projekt beteiligte Ärztinnen und Ärzte über den Projektverlauf, die gewonnenen Erkenntnisse sowie die entwickelten und umgesetzten Lösungsansätze. Besonders eindrücklich war zu erfahren, welche Erkenntnisse die beteiligten Ärztinnen und Ärzte aus den verschiedenen Projektphasen mitnehmen konnten und welche positive Wirkung die erarbeiteten Massnahmen sowohl auf den Praxisalltag als auch auf ihre persönliche berufliche und private Situation entfalten.
Abgerundet wurde der Anlass durch einen feinen Apéro mit spannenden Diskussionen und bereichernden Gesprächen. Im Verlauf des Abends wurde einmal mehr deutlich, dass zufriedene und langfristig motivierte Ärztinnen und Ärzte von grosser Bedeutung sind.
Doch zurück zum Anfang: Von der Bestandesaufnahme in Richtung Praxis
Die an der Abschlussveranstaltung präsentierten Erfahrungen und Resultate sind das Ergebnis eines mehrjährigen Entwicklungsprozesses. Drehen wir das Rad nochmals zurück: Wo stand das Projekt zu Beginn und welche Schritte führten zu den heute sichtbaren Veränderungen?
Ausgangspunkt des Projekts war eine Befragung der AGZ-Mitglieder im Frühling 2024. Sie machte deutlich, wie zentral die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben für Ärztinnen und Ärzte ist. Teilzeitarbeit, flexible Arbeitszeiten und unterstützende Arbeitsbedingungen wirken sich dabei positiv auf die berufliche Zufriedenheit aus. Gleichzeitig zeigte sich ein klarer Handlungsbedarf. Vor dem Hintergrund des Ärztemangels und der hohen Anforderungen im Praxisalltag entstand daraus das gemeinsame Ziel, konkrete und praxistaugliche Lösungen zu entwickeln.
Die Befragung machte deutlich, wie zentral die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben für Ärztinnen und Ärzte ist.
Mit dem Hauptprojekt rückte ab 2025 die Praxis stärker in den Fokus. Die beteiligten Arztpraxen und Institute wurden durch die Fachstelle UND individuell begleitet. Auf der Grundlage betrieblicher Bestandsaufnahmen entstanden massgeschneiderte Massnahmenpläne, an deren Umsetzung seither schrittweise gearbeitet wird. Ergänzend erhielten selbstständige Ärztinnen und Ärzte die Möglichkeit, in Workshops ihre persönliche Lebenssituation zu reflektieren und Strategien für eine ausgewogenere Life-Balance zu entwickeln.
Vereinbarkeit braucht Lösungen, die zum Praxisalltag passen
Im Projektverlauf wurde einmal mehr deutlich: Eine allgemeingültige Patentlösung für Vereinbarkeit gibt es nicht. Praxisgrösse, Fachgebiet, Teamstruktur und betriebliche Rahmenbedingungen unterscheiden sich. Entscheidend war deshalb, genau hinzuschauen und dort anzusetzen, wo für den jeweiligen Betrieb Veränderungen möglich und sinnvoll waren. Die individuelle Begleitung ermöglichte es den Praxen, jene Handlungsfelder zu identifizieren und zu bearbeiten, die für ihren Alltag tatsächlich relevant waren. Gleichzeitig zeigte der Austausch zwischen den beteiligten Betrieben, dass viele Fragestellungen über die einzelne Praxis hinausreichen.
Im Zentrum standen die nachhaltige Verankerung von Vereinbarkeit, die Zusammenarbeit verschiedener Berufsgruppen und der Umgang mit hoher Arbeitsbelastung. Ebenso wichtig waren Möglichkeiten zur Mitgestaltung, sowohl bei der Betriebskultur als auch bei der Einsatz- und Arbeitsplanung.
Die individuelle Begleitung ermöglichte es den Praxen, jene Handlungsfelder zu identifizieren und zu bearbeiten, die für ihren Alltag tatsächlich relevant waren.
Austausch als wichtiger Erfolgsfaktor
Eine besondere Bedeutung kam während des gesamten Projekts dem gegenseitigen Lernen zu. An den Round Tables konnten die beteiligten Betriebe ihre Erfahrungen teilen, Umsetzungsschritte reflektieren und von unterschiedlichen Ansätzen profitieren. Gerade dieser offene Peer-Austausch machte sichtbar, wie vielfältig Vereinbarkeit im Praxisalltag gestaltet werden kann und wie wertvoll der Blick über die eigene Organisation hinaus ist.
Die Diskussionen waren bewusst praxisnah und lösungsorientiert: Herausforderungen hatten ebenso Platz wie Erfolge und erste Fortschritte. So entstand ein Raum, in dem nicht theoretische Idealvorstellungen, sondern machbare Verbesserungen für den anspruchsvollen Arbeitsalltag im Zentrum standen.
Die beteiligten Praxen brachten sich dabei mit grossem Engagement ein und setzten eine Vielzahl von Massnahmen um. Die Schlussevaluation zeigt, dass diese nach Einschätzung der Praxen zu einer verbesserten Stimmung, einer höheren Zufriedenheit und optimierten Abläufen im Praxisalltag beigetragen haben.
Leitfaden – Wissen, das über das Projekt hinaus wirkt
Mit dem Projektabschluss endet zwar die gemeinsame Projektphase, nicht aber die Auseinandersetzung mit Vereinbarkeit. Die Erfahrungen aus den beteiligten Betrieben wurden deshalb so aufbereitet, dass sie auch weiteren Arztpraxen und Instituten zugutekommen können. Die gewonnenen Erkenntnisse, Erfahrungen und bewährten Ansätze flossen in einen praxisnahen Leitfaden ein. Dieser richtet sich an Praxisinhaber:innen und Institutsleitende und unterstützt sie dabei, die Vereinbarkeit von Erwerbs- und Privatleben auch im eigenen Betrieb gezielt weiterzuentwickeln.
Der Leitfaden richtet sich an Praxisinhaber:innen und Institutsleitende und unterstützt sie dabei, die Vereinbarkeit von Erwerbs- und Privatleben auch im eigenen Betrieb gezielt weiterzuentwickeln.
Damit wirkt das Projekt über die unmittelbar beteiligten Betriebe hinaus. Es zeigt, wie sich Vereinbarkeit unter den besonderen Bedingungen des medizinischen Praxisalltags konkret angehen lässt und wie betriebliche Rahmenbedingungen weiterentwickelt werden können, sodass sie sowohl den Bedürfnissen der Mitarbeitenden als auch den Anforderungen der Praxis Rechnung tragen. Bereits die ursprüngliche Befragung hatte gezeigt, dass unterstützende Arbeitsbedingungen die berufliche Zufriedenheit positiv beeinflussen können.
Attraktive Praxen brauchen Vereinbarkeit
Angesichts des zunehmenden Ärztemangels und der hohen Belastung im Berufsalltag ist Vereinbarkeit weit mehr als ein individuelles Anliegen. Sie ist ein wichtiger Baustein für die langfristige Attraktivität von Arztpraxen und für die Frage, wie Ärztinnen und Ärzte gesund, motiviert und langfristig im Beruf bleiben können. Genau hier setzte das Projekt an: nicht mit Lösungen von der Stange, sondern mit einem Entwicklungsprozess, der die konkreten betrieblichen Realitäten ins Zentrum stellte.
Die Fachstelle UND blickt mit Freude auf den gemeinsam mit der Ärztegesellschaft des Kantons Zürich (AGZ) und den beteiligten Praxen zurückgelegten Weg zurück. Das Projekt hat sichtbar gemacht: Wer Vereinbarkeit mitdenkt, stärkt nicht nur die Mitarbeitenden, sondern auch die Zukunftsfähigkeit des eigenen Betriebs und damit die Attraktivität der Praxistätigkeit insgesamt.
Ein grosses Dankeschön gilt allen beteiligten Arztpraxen und Instituten sowie ihren Leitenden und Mitarbeitenden. Ihr Engagement, ihre Offenheit und ihre Bereitschaft, bestehende Strukturen zu reflektieren und neue Wege auszuprobieren, haben das Projekt entscheidend mitgeprägt. Besonders bemerkenswert ist, dass diese Entwicklungsarbeit parallel zu einem anspruchsvollen Praxisalltag geleistet wurde.
Ein ebenso herzlicher Dank gilt dem Projektteam der AGZ für die engagierte und vertrauensvolle Zusammenarbeit sowie Centerview für die kommunikative Begleitung des Projekts.
Das Projekt wurde vom Eidgenössischen Büro für die Gleichstellung von Frau und Mann mit Finanzhilfen unterstützt.